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Auf Wegen der Hoffnung Grenzen überschreiten

Auf historischen Fluchtwegen genußvoll durch die Alpen wandern  
Menschen, die sich Fluchtwege suchen, hatten schon immer ein konkretes Ziel: durch einen Grenzübertritt ihr Leben zu retten. Geflohen, verjagt, von der eigenen Familie auserwählt, mit der Hypothek zu überleben (und) um als Versorger für die in der Heimat zurückgebliebenen Angehörigen eine Zukunft zu schaffen oder deren Überleben zu sichern.
 
Im letzten Monaten dominieren Bilder von Flüchtlingsströmen- und schicksalen die Medien, bewegen die Menschen hierzulande. Wie weitreichend (politisch, kulturell, demographisch) die Veränderungen in unserer Gesellschaft dadurch sein werden, ist noch nicht absehbar. Einige Menschen fürchten sich aber vor den beginnenden Eingewanderten, beginnen sich abzuschotten und wünschen sich scheinbar paradisische gesellschaftliche Urzustände zurück. Selten wird in diesen Zusammenhang erwähnt, dass wir ein Land sind, in dem die Eltern-/Großelterngeneration der „Baby-Boomer“ selbst oft als „Flüchtlinge“ traumatische Erfahrungen verarbeiten mussten.
 
Auch in und vor dieser Generation gab es für Menschen die Notwendigkeit zur Flucht. Oft waren es Künstler, Schriftsteller oder politische Aktivisten, die zeitweilig oder für immer ihre Heimat verlassen mussten. Viele von ihnen haben ihre Erlebnisse literarisch verarbeitet und ihren Fluchtweg beschrieben. Diese literarischen Primärtexte/Quellen dienten als Inspiration nach diesen Wegen zu suchen, um sie wiederzuentdecken. Dies gestaltete sich zunächst als nicht so ganz einfach, da es die beschriebenen Wege so nicht mehr gibt, oder sie aufgrund der Quellenlage nicht exakt rekonstruierbar waren. Vielfach wurden diese Fluchtwege als alte Handels- und Wanderrouten benutzt, die zum Teil schon seit Tausenden von Jahren bestehen.
 
Fast alle diese Wege sind in der Öffentlichkeit und unter Wanderern wenig bis kaum bekannt. Man findet sie deshalb auch in keinem der traditionellen Wander- oder Reiseführer. Die Seite „Fluchtwege“ beschreibt verschiedene Formen von Fluchten, die sich zumeist auf einem literarischen Text beziehen, der zu rekonstruieren versucht wurde: künstlerische Fluchten, politisches Exil, Handel und Händel aus wirtschaftlicher Not (Schmuggel, Wilderei) und spirituelle Gottsuche.
 
Bisher sind rund 40 Wege im deutschsprachigen Alpenraum erkundet worden, von denen über 20 hier beschrieben werden. Diese Fluchtwege sind als Eintagestouren gedacht, lassen sich aber auch kombinieren und über mehrere Tage ausbauen. Einige sind auch als Fahrradtouren geeignet.
 
 
Künstlerische Fluchten:
Thomas Bernhards beschwerliche Kind- und Schulzeit im deutsch-österreichischen Grenzland zum Ende des 2. Weltkrieges
Ludwig Ganghofers Auszeiten im Leutaschtal; seine Jagdwege nach Ruhm und Hirsch
Robert L. Stevensons begangener Fluchtweg vor Liebesleid und Zivilisation durch die Cevennen, begleitet von seinem Esel Modestine
Friedrich Glausers Flucht vor Polizei und Familie auf ein „refugio“ im Brusada Gebiet
Mary Shelleys Entzug vor den heimatlichen Beschränkungen ihrer Lebensliebe und der damit verbundenen Erschaffung von Frankenstein
Norbert Kasers selbstgewählte Einsamkeit und mutwillige Selbstzerstörung mittels Alkohols
 
Politische Fluchten
Die Alpenerschließung durch den sozialdemokratischen Arzt und Lenin-Deckadressaten Carl Lehmann und den malenden Nordpol-Entdecker Julius Payer
die Flucht Wilhelm Hoegners, des ersten bayerischen Präsidenten nach dem 2.Weltkrieg vor den Nazischergen übers Karwendel nach Österreich
die der Don-Kosaken aus ihren angestammten Heimatland über Polen ins Friaul
die z.T. parallel verlaufenden Fluchtwege der illegal nach Palästina einreisenden Juden und der sich absetzenden Nazis (Ratten- oder Klosterlinie),
Ludwigs und Sisis Fluchten aus den politischen Korsetten (Schachen, Valsugana)
 
Handels – und Hungerwege
Wege, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Wege der Steinzeit, der römischen Antike, aus dem aufblühenden Mittelalter in die Notzeiten des 20. Jahrhunderts
Schmuggel und Wilderei als einziger Weg aus der Not
Wege, die schon Rom als Medien zum Transport von Mensch und Ware benutzt hat (Via Claudia Augusta)
der letzte Weg von „Ötzi
die kurze Zeit der Flucht und Selbstbehauptung von Bruno Bär alias JJ1
und der entbehrungsreiche Weg der „Schabenkinder“ an den Bodensee
 
In sano corpore sana mensa, Körper und Geist kommen zum Tragen:
Von der Entrückung der Resl von Konnersreuth über Hugo Balls Weg vom Dadaismus zu Gott und Hermann Hesse und Johannes Baaders Irren durch Geist und Institutionen
 
 
© 2016 • Dr. Hans-Jürgen Hereth • Wertschätzung